Kamenz. Das St. Johannes Krankenhaus macht den nächsten Schritt in eine wirtschaftlich stabile Zukunft: Seit 1. Oktober ist Anna-Magdalena Brosch neue Chefärztin der Fachabteilung für Innere Medizin. Die 44-Jährige verfügt über fundierte klinische und wissenschaftliche Erfahrungen. Zuletzt war sie am Helios Klinikum Pirna als leitende Oberärztin tätig und übernahm dort kommissarisch die Leitung des Fachbereichs Innere Medizin.
„Mit Frau Dr. Brosch konnten wir eine ausgewiesene Expertin für Innere Medizin und Gastroenterologie für unsere Klinik gewinnen“, erklärt Geschäftsführer Dietmar Eine. Zuvor war sie mehr als ein Jahrzehnt an der Uniklinik Dresden in der Versorgung und Erforschung chronisch- entzündlicher Darmerkrankungen tätig. Nach ihrer Zeit in Pirna, kehrt die gebürtige Bautznerin, die mit Mann und Sohn in Dresden lebt, jetzt zumindest beruflich in die Heimat zurück. „Diese Wurzeln haben uns dabei sicherlich in die Karten gespielt, denn es ist definitiv eine Besonderheit für ein kleines Krankenhaus in ländlicher Lage, eine Chefarztposition so hervorragend zu besetzen“, freut sich Eine.
Gemeinsam die Medizin in Kamenz weiterentwickeln
Anna-Magdalena Brosch haben vor allem die überschaubare Größe des Hauses, die familiäre Atmosphäre und die kurzen Abstimmungswege – auch mit den einweisenden Ärztinnen und Ärzten in der Stadt – die Entscheidung für das St. Johannes leicht gemacht. „Man spürt in Kamenz den Willen zur Veränderung. Alle haben eine große Motivation, sich selbst und unser Behandlungsangebot weiterzuentwickeln“, schildert sie die Erfahrungen der letzten Wochen, in denen sie bereits punktuell vor Ort war und sich selbst einen Eindruck vom Haus und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern machen konnte. Viele ihrer Chefarztkolleginnen und Kollegen kenne sie bereits aus Dresden. Die fächerübergreifende Zusammenarbeit sei in diesem Leitungsteam mit niedrigem Altersdurchschnitt keine unbeliebte Notwendigkeit, sondern absolute Selbstverständlichkeit im Tagesgeschäft. „Gerade für ältere, häufig mehrfacherkrankte Patientinnen und Patienten ist das natürlich toll, wenn ich z. B. im Anschluss an eine onkologische Operation direkt eine Weiterbehandlung in unserer Geriatrie in die Wege leiten kann.“
Spezialwissen für die Region zugänglich machen
Die engere Verzahnung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung liegt Brosch besonders am Herzen. „Immer mehr Leistungen werden künftig ambulant erbracht werden“, daher planen wir eine Erweiterung unseres ambulanten Angebots“, erklärt sie. Das sei nicht nur vom Gesetzgeber erwünscht und wichtig für die wirtschaftliche Stabilität des Hauses, sondern in vielen Fällen auch eine gute Lösung für die Patienten, die dann keinen Krankenhausaufenthalt mehr einplanen müssten. „In Kamenz gibt es eine gastroenterologische Facharztpraxis“, mit der wir eng zusammenarbeiten wollen, trotzdem besteht ein großer Bedarf an Facharztterminen erklärt Brosch. „Wir können dabei helfen, diese Lücke zu füllen und gleichzeitig unser Spezialwissen für die Bevölkerung zugänglich machen.“ So wäre es für sie ein großer Wunsch, perspektivisch z. B. eine Sprechstunde für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder auch für Menschen mit einem Kurzdarmsyndrom anzubieten. Im stationären Bereich will sie künftig das Angebot gastroenterologisch-onkologischer Interventionen an Magen, Darm und den angrenzenden Organen erweitern. „Diese Erkrankungen nehmen statistisch zu, auch weil die Wahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter der Bevölkerung steigt“, erklärt Brosch die Relevanz.
Und auch in der Diagnostik sollen die Kamenzer Bürgerinnen und Bürger künftig von neuen Methoden profitieren: „Mit Hilfe der endosonographischen Punktion können wir unter Ultraschallkontrolle eine Sonde über den Darm z. B. bis in die Bauchspeicheldrüse oder die Gallengänge einführen und so auffälliges Gewebe entfernen und untersuchen“, sagt die neue Chefärztin, die auch gerne zusätzlich noch die Weiterbildungsbefugnis für die Gastroenterologie beantragen möchte. „Wenn wir unseren Assistenzärztinnen und -ärzten künftig nicht nur die Facharztausbildung in der Allgemeinen Inneren Medizin, sondern auch in der Gastroenterologie anbieten können, hilft uns das bei der Personalakquise und erhöht darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit, dass sich die jungen Leute für eine eigene Haus- oder Facharztpraxis im Landkreis entscheiden.“
Wohnortnahe Versorgung, wenn jede Minute zählt
Neben dem Ausbau des gastroenterologischen Schwerpunkts bleiben auch alle anderen Leistungsangebote der Abteilung für Innere Medizin bestehen. So gehören die nicht-invasive Kardiologie, Angiologie, Pulmologie, Diabetologie, Endokrinologie und die Versorgung von Schlaganfallpatienten zum Behandlungsspektrum. „Durch unsere Lage zwischen Bautzen und Dresden sind wir für die wohnortnahe Erstversorgung von Patientinnen und Patienten relevant“, erläutert Brosch. So würde z. B. bei einem Schlaganfall direkt im Haus die notwendige Bildgebung durchgeführt und dann mit telemedizinischer Unterstützung der Uniklinik in Dresden entschieden, ob man das Blutgerinnsel im Gehirn medikamentös auflösen könne. „In diesem Fall führen wir dann gemeinsam hier bei uns in Kamenz die sogenannte Lyse durch, denn jede Minute zählt und entscheidet darüber, wie schwer die Folgen des Schlaganfalls ausfallen werden.“