Kurz vor der Schließung der Geburtshilfe am St. Johannes Krankenhaus Kamenz hat es jetzt noch einmal einen Aufschub gegeben: Werdende Mütter können noch bis zum 31. Dezember 2026 in Kamenz entbinden. Danach werden sich die Türen des Kreißsaales aber endgültig schließen.
Finanzielle Unterstützung durch den Landkreis
„Der Zuschuss des Landkreises in Höhe von 500.000 Euro deckt das Defizit, das durch den Weiterbetrieb bis zum Jahresende entstehen wird“, erläutert Jana Uhlig, Geschäftsführerin der Klinik. Dadurch könne man diese Leistung noch weitere sieben Monate anbieten. „Auch gynäkologische Patientinnen werden wir zunächst weiterbehandeln, müssen aber im Blick behalten, ob es uns bei Aufrechterhaltung beider Fachrichtungen gelingt, die für die Geburtshilfe vorgeschriebenen Bereitschaftsdienste stabil zu besetzen. Das ist wichtig für die Sicherheit der Mütter und ihrer Babys und hat daher die höchste Priorität.“
Großes Engagement für die Geburtshilfe
In den vergangenen Wochen hatten sich viele Lokalpolitikerinnen und -politiker und andere Gruppen für eine Übergangslösung starkgemacht. „Auch wenn es sich nur um einen Aufschub handelt, bin ich beeindruckt von diesem Engagement“, erkennt Uhlig an. Alle schwangeren Frauen, die sich innerlich schon auf eine Entbindung im St. Johannes Krankenhaus eingestellt hatten, könnten das nun wie geplant tun. In der Vergangenheit sei immer wieder kritisiert worden, dass die Entscheidung zur Schließung zu kurzfristig kam, um nach anderen Lösungen für ein geburtsmedizinisches Angebot in Kamenz zu suchen.
Kein dauerhafter Weiterbetrieb
Für das Krankenhaus sei der Weiterbetrieb der Geburtshilfe dauerhaft nicht möglich, denn das Defizit, das diese Abteilung monatlich schreibt, würde die gesamte Zukunft des St. Johannes Krankenhauses gefährden. Und eine fortlaufende Bezuschussung durch den Landkreis sei natürlich in Zeiten knapper kommunaler Kassen auch keine Option. „Ich wünsche allen Beteiligten sehr, dass sie die nun gewonnene Zeit nutzen können, um andere Möglichkeiten für Entbindungen in Kamenz auszuloten“, sagt Uhlig. Zwar sei die geburtsmedizinische Versorgung durch die Kliniken im Umland sichergestellt. „Ich verstehe aber den Wunsch der Bevölkerung, dass auch weiterhin Kinder in Kamenz das Licht der Welt erblicken können sollten.“