Zum Hauptinhalt springen

SCHLIESSUNG DER KLINIK FÜR GYNÄKOLOGIE UND Geburtshilfe

Fragen und Antworten

Die Entscheidung, die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Johannes Krankenhaus zu schließen, ist nach sorgfältiger Prüfung und intensiver Abwägung getroffen worden. Uns ist bewusst, dass dieser Schritt viele Fragen, Sorgen und auch Enttäuschung auslöst – insbesondere bei werdenden Eltern, Angehörigen und unseren Mitarbeitenden. Mit den folgenden Antworten möchten wir transparent über die Hintergründe informieren, die Auswirkungen erläutern und aufzeigen, wie wir die medizinische Versorgung in der Region auch künftig verlässlich sicherstellen wollen.

1. Warum muss die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe jetzt schließen?

Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Uns ist bewusst, dass die Geburtshilfe in unserem Haus einen hohen Stellenwert für die Familien in der Region hat. Wir tragen aber die Verantwortung für das gesamte Krankenhaus. Unser Ziel muss es sein, das St. Johannes so aufzustellen, dass es langfristig eine Zukunft hat und auf einem wirtschaftlich stabilen Fundament steht. Nur so können wir einen Großteil der Arbeitsplätze erhalten und weiterhin in der gewohnt guten Behandlungsqualität für unsere Patientinnen und Patienten da sein. Bei der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe hat sich leider nach sorgfältiger Analyse aller nun vorliegenden Zahlen gezeigt, dass sie defizitär ist und das Minus wachsen wird. Wir müssen daher jetzt handeln, damit wir den Bürgerinnen und Bürgern in Kamenz weiterhin eine wohnortnahe Grund- und Regelversorgung anbieten können.

2. Was genau ist das Problem in der Geburtshilfe?

Der stetige Rückgang der Geburtenzahlen – in 2025 hat im Schnitt weniger als eine Frau am Tag bei uns entbunden – führt bei steigenden Sach- und Personalkosten zu einem wachsenden Defizit. Hinzukommt, dass wir die Vorgaben für die Besetzung der Dienste ab April und Mai nicht mehr erfüllen können, ohne teure Honorarkräfte einzusetzen. Das Defizit würde sich also nochmal massiv verschärfen. Wenn wir dieser Entwicklung länger zuschauen, riskieren wir die Zukunftssicherheit des gesamten Krankenhauses, denn ein Haus dieser Größenordnung ist unter den aktuellen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen sowieso kaum wirtschaftlich zu führen.

3. Wieso kommt die Schließung jetzt, wenn die Geburtenzahlen doch bereits seit mehreren Jahren sinken?

Wir haben um das Überleben gekämpft, denn uns war bewusst, dass die Schließung für die Bevölkerung hoch emotional ist. Die betroffenen Mitarbeitenden, deren Aufgabe nun wegfällt, erleben einen großen persönlichen Einschnitt. Dass wir nun trotzdem schließen müssen, liegt in erster Linie an den Problemen, die wir ab April bei der Besetzung der Dienste haben. Es ist allein dem enormen Einsatz unserer Mitarbeitenden zu verdanken, die in der Vergangenheit zahlreiche Rufbereitschaften übernommen haben, dass wir die strengen Vorgaben für einen Notfallkaiserschnitt bisher sicherstellen konnten. Das Gesetz sieht hierzu vor, dass man innerhalb von 10 Minuten handlungsfähig sein muss. Das ist entscheidend für die Gesundheit von Mutter und Kind und nicht verhandelbar. Inzwischen sind die Regelungen im Arbeitszeitgesetz zu den Rufbereitschaften enger gefasst, so dass wir mit dem vorhandenen Personal diese Vorgabe nicht mehr erfüllen können.

4. Was bedeutet dieser Schritt für werdende Eltern in Kamenz und dem Umland?

In unserer Region gibt es mehrere Kliniken, sogar mit höherer Versorgungsstufe, die in einer medizinisch vertretbaren Anfahrtszeit erreichbar sind. Frauen und Kinder werden weiterhin gut versorgt werden. Wir verstehen aber, dass es auch ohne einen Versorgungsengpass emotional schwierig ist, wenn die Wunschklinik keine Geburten mehr anbietet.

5. Was sollen Frauen tun, die bereits für eine Geburt im St. Johannes angemeldet sind?

Alle Frauen, deren Geburt vor dem 31. Mai stattfinden wird, können wie geplant und in der gewohnt hohen Behandlungsqualität bei uns entbinden. Die werdenden Mütter, deren Entbindungstermin im Juni oder später liegen wird, wurden bereits persönlich von unseren Hebammen kontaktiert und erhalten Unterstützung, um zeitnah einen Platz in einer anderen Klinik zu bekommen.

6. Was passiert mit den Mitarbeitenden?

Unser oberstes Ziel ist es, Kündigungen soweit wie möglich zu vermeiden. Deshalb werden wir den Hebammen und den Pflegekräften anbieten, innerhalb des St. Johannes eine andere Aufgabe zu übernehmen. Bei den Ärztinnen und Ärzten ist das nachvollziehbarer Weise nicht möglich, da wir die Fachrichtung Gynäkologie und Geburtshilfe künftig nicht mehr in unserem Portfolio haben werden. Diese Kolleginnen und Kollegen wurden selbstverständlich persönlich informiert und erhalten von uns – wenn gewünscht – Unterstützung bei der Neuorientierung. So können wir z.B. den Kontakt zu unseren Kooperationspartnern oder anderen Kliniken in unserem Netzwerk herstellen.

7. Werden weitere Fachabteilungen wegfallen?

Trotz der schwierigen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen für kleine Krankenhäuser, haben wir seit der Übernahme des St. Johannes in 2022 viel erreicht: Wir haben auf den demografischen Wandel reagiert und die Geriatrie gegründet und ausgebaut, um dem Versorgungsbedarf der älteren Bevölkerung gerecht werden zu können. Wir haben unsere Chirurgie gestärkt und in unseren MVZs weitere ambulanten Angebote geschaffen. Der weitere Weg unserer Klinik wird sicher nicht leicht und hängt davon ab, welche Leistungsgruppen uns vom sächsischen Gesundheitsministerium Ende 2026 zugeteilt werden. Wir glauben fest an die Zukunft des St. Johannes und gehen nicht davon aus, dass es bis zu diesem Zeitpunkt weitere Veränderungen an unserem Leistungsportfolio geben wird.